Im Interview: Azubi, Jannick

Azubi zur Ausbildung - Das neue Ausbildungsjahr beginnt bald!

Wie bist du zu deinem Ausbildungsplatz gekommen?

Über die Gebäudereiniger-Innung. Ich habe dort angerufen und die haben mir eine Liste mit Firmen geschickt, die ausbilden. Die Innungen der Handwerksberufe sind überhaupt eine gute Anlaufstelle für alle, die eine Ausbildung suchen. Das wissen Viele gar nicht.

Wann steht du morgens auf? Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?

Meistens habe ich Frühschicht. Ich fange dann um sechs Uhr morgens an. Das ist zwar sehr früh, aber man gewöhnt sich daran. Ich bin dann bei zwei bis drei verschiedenen Kunden im Einsatz und mein Arbeitstag endet um 14.30 Uhr. Wenn ich mal Spätdienst habe, fange ich um 17.00 Uhr an und arbeite bis weit nach Mitternacht. Das ist zum Beispiel bei Kulturveranstaltungen oder in öffentlichen Einrichtungen wie Museen der Fall. Da können wir erst anfangen zu arbeiten, wenn die Besucher gegangen sind. 

Die Arbeit ist doch körperlich bestimmt anstrengend, oder? 

Es geht, ich würde es nicht so sehen. Man ist zwar den ganzen Tag auf den Beinen und muss sich viel bewegen. Aber man muss vor allem echt gut im Kopfrechnen sein und sich konzentrieren können. Und schwindelfrei sollte man sein, weil wir häufig in Höhen arbeiten. Mit dem Hubsteiger erreichen wir schnell 30 bis 40 Meter Höhe.

Warum Kopfrechnen? 

Na, weil man zum Beispiel das Mischverhältnis von Reinigungsmittel zu Wasser richtig ausrechnen oder Größe und Aufmaß von Glasfassaden wenigstens überschlagen muss, um zu wissen, wie viele Arbeitsstunden man kalkulieren sollte oder wie viel Material man benötigt.

Was denkst du, ist der Beruf Gebäudereiniger auch für Mädels geeignet?

Klar, denn es gibt bei der Arbeit ja keine Unterschiede. Vielleicht können die Mädels nicht immer kräftemäßig ganz mithalten. Gerade in der Baureinigung, wo auch schwere Sachen gehoben werden müssen. Aber da immer Teams zusammengestellt werden und jeder nach seiner individuellen Fähigkeit eingesetzt wird, ist das überhaupt kein Hindernis. Und wenn ich ehrlich bin, sind die meisten Mädels fleißiger in der Berufsschule und pünktlicher. Ich glaube, sie nehmen die Ausbildung nochmal ernster. 

Du kennst sicher den Spruch „seine sieben Sachen packen“. Welche Gegenstände packst du zusammen, um für deinen Arbeitstag gut gerüstet zu sein?

Es kommt darauf an, welche Aufgabe ich habe. Meistens trifft man mich aber mit den folgen Sachen an: Breitwischgerät, Staubwedel, Fließtücher, Fensterleder, Mikrofasertuch, Abzieher, Poliertuch und Fensterschlüssel. Das sind unsere Arbeitsgeräte in der Unterhalts- und Glasfassadenreinigung. 

Gab es schon Situationen, in denen du Angst hattest?

Nicht richtig Angst. Aber als ich zum ersten Mal einen Parkettfußboden beschichtet habe, hatte ich schon ein mulmiges Gefühl. Ich wusste nämlich, wenn ich das nicht ordentlich mache, sieht man es und es dauert eine Weile, bis der Schaden wieder behoben ist. Man muss sich das so vorstellen: Der Fußboden wird dauerhaft „farblos lackiert“. Vergisst man dabei eine Stelle, verläuft die Farbe oder man tritt versehentlich auf eine noch feuchte Stelle, sieht man das sofort und die ganze Arbeit war umsonst. Zum Glück habe ich für meine Aufgaben immer noch etwas mehr Zeit als die Gesellen, aber man muss trotzdem höllisch aufpassen und die Basics aus der Berufsschule draufhaben.

Stichwort Berufsschule: Ist die Berufsschule mit einer normalen Schule vergleichbar?

Nein, eigentlich nicht. Berufsschule macht mehr Spaß als die normale Schule, weil man die Sachen, die man dort lernt, auch wirklich braucht. Wenn man ehrlich ist: Der Stoff ist nicht schwer zu lernen und wer den theoretischen Teil in der (Zwischen-) Prüfung nicht besteht, ist selbst schuld. Das ist dann nur Faulheit. Nervig an der Berufsschule sind die Mitschüler, die gar keinen Bock haben auf ihre Ausbildung und ständig im Unterricht stören. Da ist irgendwann nicht mehr lustig, denn man kommt einfach nicht voran. Zum Glück habe ich zusätzlich zur Berufsschule noch Fachschulunterricht. Das ist ein vertiefender Unterricht, der aus einem kleinen theoretischen und größeren praktischen Teil besteht. Er findet einmal monatlich zusätzlich zur Berufsschule statt und wird von der Innung organisiert. Mein Tipp: Sucht euch einen Ausbildungsbetrieb, der in einer Innung organisiert ist.

Wie soll´s weitergehen nach deiner Ausbildung?

Auf jeden Fall will ich im Beruf bleiben, am besten bei Niederberger hier in Berlin. Dann will ich erst einmal meinen Führerschein machen. Und ich würde gern den Kletterschein machen, um mich zum Fassadenkletterer weiterbilden zu lassen. Es gib überhaupt so vieles, worauf man sich im Beruf spezialisieren kann, je nach Interesse. Zum Beispiel auch eine Zusatzqualifikation zum Desinfektor oder Fachwirt für Hygienetechnik. 

Was sagen deine Freunde dazu, dass du Gebäudereiniger lernst? Gibt es da Vorurteile?

Die meisten finden es cool und sind ein bisschen neidisch auf mein Azubi-Gehalt. Das ist relativ hoch, weil tariflich geregelt. Meine Kumpels im Kfz-Handwerk zum Beispiel verdienen viel weniger. Einige meiner Freunde wussten gar nicht, dass Gebäudereiniger ein richtiger Handwerksberuf ist. Einige Leute haben, glaube ich, einfach falsche Vorstellungen vom Beruf. Der hat nämlich nichts mit „einmal feucht durchwischen“ zu tun. Klar gehört auch die Unterhaltsreinigung zu meinen Aufgaben. Das sollte auch jeder wissen, der sich für eine Ausbildung als Gebäudereiniger interessiert. Aber das ist eben nur ein Teil der Arbeit. Häufig arbeiten wir unter spezieller Schutzkleidung, um uns vor Kontamination oder Infektion zu schützen. Das ist zum Beispiel im OP-Bereich oder bei einer Tatortreinigung der Fall. Oft bedienen wir Maschinen, zum Beispiel um Steinflächen zu schleifen oder Parkettböden zu beschichten. Wenn wir Graffiti von Hauswänden entfernen, kommen Hochdrucksysteme zum Einsatz, die mit Trockeneis reinigen. Das ist kein richtiges Eis, sondern festgewordenes CO2. Da platzt die Verschmutzung sozusagen von der Wand ab – das macht schon Spaß.

Dein Schlussplädoyer?!

Ich bin froh ein Teil der Niederberger Gruppe zu sein. Als Azubi fühle ich mich hier gut aufgehoben, weil man hier nicht „untergeht“, nicht anonym bleibt. Besser hätte ich mir meinen Berufsstart nicht vorstellen können. Wir sind hier ungefähr 20 Azubis, mein Ausbilder hat sich schnell meinen Namen gemerkt und weiß, was ich gut kann und wo ich noch Schwierigkeiten habe. Man ist hier nicht einfach nur Azubi, sondern wird ernst genommen und Teil in einem Team. Das finde ich gut. Und das Praktische an der Tätigkeit: Man sieht am Ende des Tages, was macht geschafft hat.

Diese Webseite verwendet Cookies um alle Funktionen voll nutzbar zu machen. Für weitere Informationen schauen Sie in unsere Datenschutzerklärung.
Zustimmen